1. Was ist die Konjugation?
Die Konjugation (von lateinisch coniugare = „verbinden“) bezeichnet die Veränderung oder Beugung von Verben, damit sie sich grammatisch an das Subjekt und den Satz anpassen.
Man spricht auch von Verbflexion, da das Verb in seiner Form verändert wird.
Ein konjugiertes Verb passt sich an fünf grammatische Merkmale an:
| Kategorie | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Person | Wer handelt? | ich, du, er/sie/es |
| Numerus | Zahlform – Singular oder Plural | ich gehe – wir gehen |
| Tempus | Zeitform – Wann passiert etwas? | er spielt – er spielte |
| Modus | Aussageweise – Wirklich, möglich oder befohlen? | sie singt – sie sänge – sing! |
| Genus Verbi | Handlungsart – Aktiv oder Passiv | Der Lehrer erklärt. / Die Regel wird erklärt. |
💡 Merken Sie sich:
Die Konjugation sorgt dafür, dass das Verb im Satz mit dem Subjekt übereinstimmt. Diese Übereinstimmung nennt man Kongruenz.
Zum Beispiel: „Ich lese ein Buch.“ → Das Verb lese ist an ich (1. Person Singular, Präsens, Indikativ, Aktiv) angepasst.
2. Grammatische Kategorien im Detail
Damit Sie Verben richtig konjugieren können, sollten Sie die fünf grammatischen Kategorien genauer kennen: Person, Numerus, Tempus, Modus und Genus Verbi. Jede dieser Kategorien verändert die Verbform auf eine bestimmte Weise.
Person und Numerus
In der deutschen Sprache unterscheidet man drei Personen und zwei Numeri (Zahlformen): Singular (Einzahl) und Plural (Mehrzahl). Die Verbform ändert sich je nach Person und Zahl des Subjekts.
| Person | Singular (Einzahl) | Plural (Mehrzahl) |
|---|---|---|
| 1. Person | ich gehe | wir gehen |
| 2. Person | du gehst | ihr geht |
| 3. Person | er/sie/es geht | sie gehen |
💡 Tipp:
In der 1. und 3. Person Plural endet das Verb meist auf -en, wie im Infinitiv (gehen, spielen, lernen).
Tempus (Zeitform)
Das Tempus zeigt an, wann eine Handlung stattfindet. Im Deutschen gibt es sechs Zeitformen, die in der folgenden Übersicht mit Beispielen dargestellt sind:
| Zeitform | Beispiel | Verwendung |
|---|---|---|
| Präsens | „Ich lerne Deutsch.“ | Gegenwart oder regelmäßige Handlung |
| Präteritum | „Ich lernte Deutsch.“ | Vergangenheit, besonders in der Schriftsprache |
| Perfekt | „Ich habe Deutsch gelernt.“ | Vergangene Handlung mit Bezug zur Gegenwart |
| Plusquamperfekt | „Ich hatte Deutsch gelernt.“ | Handlung, die vor einer anderen in der Vergangenheit liegt |
| Futur I | „Ich werde Deutsch lernen.“ | Zukünftige Handlung |
| Futur II | „Ich werde Deutsch gelernt haben.“ | Abgeschlossene Handlung in der Zukunft |
Modus (Aussageweise)
Der Modus zeigt, wie eine Handlung gemeint ist: wirklich, möglich oder als Aufforderung.
| Modus | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Indikativ | Wirklichkeitsform – beschreibt Tatsachen | „Sie arbeitet im Büro.“ |
| Konjunktiv | Möglichkeitsform – drückt Wünsche, Gedanken oder indirekte Rede aus | „Sie sagte, sie arbeite im Büro.“ |
| Imperativ | Befehlsform – drückt Aufforderungen aus | „Arbeite fleißig!“ |
💡 Merksatz:
Der Indikativ ist die häufigste Form. Der Konjunktiv wird oft in der indirekten Rede oder bei höflichen Bitten verwendet.
Genus Verbi (Handlungsart)
Das Genus Verbi beschreibt, ob das Subjekt die Handlung ausführt (Aktiv) oder die Handlung erleidet (Passiv).
| Form | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|
| Aktiv | „Der Lehrer erklärt die Grammatik.“ | Das Subjekt handelt aktiv. |
| Passiv | „Die Grammatik wird erklärt.“ | Das Subjekt erleidet die Handlung. |
💡 Tipp:
Das Passiv wird mit dem Hilfsverb werden gebildet (wird erklärt, wurde gemacht, ist gemacht worden).
3. Verbtypen und Konjugationsmuster
Die Konjugation deutscher Verben hängt stark von ihrem Typ ab. Je nach Bauweise und Funktion verändern sich Stamm, Endung oder Begleitwörter. In der Grammatik unterscheidet man dabei mehrere zentrale Verbgruppen: regelmäßige, unregelmäßige, gemischte, Hilfs-, Modal-, trennbare, untrennbare und reflexive Verben.
Regelmäßige (schwache) Verben
Regelmäßige Verben folgen einem festen Muster: Der Verbstamm bleibt gleich, und die Endungen werden regelmäßig hinzugefügt.
| Infinitiv | Präsens | Präteritum | Perfekt |
|---|---|---|---|
| lernen | ich lerne | ich lernte | ich habe gelernt |
| spielen | du spielst | du spieltest | du hast gespielt |
| arbeiten | er arbeitet | er arbeitete | er hat gearbeitet |
💡 Merkregel:
Schwache Verben bilden das Präteritum mit der Endung -te und das Partizip II mit ge-…-t.
Unregelmäßige (starke) Verben
Starke Verben verändern ihren Stammvokal in den verschiedenen Zeitformen. Das Präteritum und das Partizip II folgen keinem einheitlichen Schema.
| Infinitiv | Präsens | Präteritum | Perfekt |
|---|---|---|---|
| fahren | ich fahre | ich fuhr | ich bin gefahren |
| sprechen | du sprichst | du sprachst | du hast gesprochen |
| sehen | er sieht | er sah | er hat gesehen |
💡 Beispiel:
„Ich sehe dich heute“ (Präsens) → „Ich sah dich gestern“ (Präteritum) → „Ich habe dich gesehen“ (Perfekt)
Gemischte Verben
Gemischte Verben kombinieren Merkmale von schwachen und starken Verben.
Sie bilden das Präteritum mit -te, ändern aber den Stammvokal wie starke Verben.
| Infinitiv | Präsens | Präteritum | Perfekt |
|---|---|---|---|
| bringen | ich bringe | ich brachte | ich habe gebracht |
| denken | du denkst | du dachtest | du hast gedacht |
| kennen | er kennt | er kannte | er hat gekannt |
💡 Tipp:
Diese Verbgruppe ist klein, aber häufig im Alltag. Man sollte sie auswendig lernen.
Hilfsverben
Hilfsverben werden verwendet, um Zeitformen, das Passiv und den Konjunktiv zu bilden. Es gibt drei zentrale Hilfsverben im Deutschen:
| Verb | Beispiel | Verwendung |
|---|---|---|
| sein | „Ich bin gegangen.“ | zur Bildung des Perfekts bei Bewegungsverben und Passiv |
| haben | „Ich habe gearbeitet.“ | zur Bildung des Perfekts bei den meisten Verben |
| werden | „Ich werde lernen.“ | für das Futur und das Passiv |
Modalverben
Modalverben verändern die Bedeutung des Vollverbs – sie drücken Möglichkeit, Notwendigkeit oder Wunsch aus. Sie werden mit einem Infinitiv kombiniert.
| Modalverb | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| können | Fähigkeit, Möglichkeit | „Ich kann schwimmen.“ |
| müssen | Notwendigkeit | „Du musst lernen.“ |
| wollen | Absicht, Wille | „Er will reisen.“ |
| dürfen | Erlaubnis | „Wir dürfen gehen.“ |
| sollen | Pflicht, Rat | „Ihr sollt zuhören.“ |
| mögen | Vorliebe | „Sie mag tanzen.“ |
💡 Hinweis:
Im Satz steht das Modalverb konjugiert, das Vollverb bleibt im Infinitiv am Ende:
→ „Ich möchte heute früh schlafen gehen.“
Trennbare und untrennbare Verben
Viele deutsche Verben bestehen aus einem Präfix (Vorsilbe) und einem Verbstamm. Dieses Präfix kann getrennt oder ungetrennt werden – je nach Bedeutung und Betonung.
Trennbare Verben
Das Präfix steht im Satzende, wenn das Verb konjugiert ist.
| Infinitiv | Satzbeispiel |
|---|---|
| aufstehen | „Ich stehe früh auf.“ |
| mitkommen | „Kommst du mit?“ |
| fernsehen | „Er sieht jeden Abend fern.“ |
Untrennbare Verben
Das Präfix bleibt immer mit dem Verbstamm verbunden.
| Infinitiv | Satzbeispiel |
|---|---|
| verstehen | „Ich verstehe dich gut.“ |
| bekommen | „Sie bekommt ein Geschenk.“ |
| besuchen | „Wir besuchen unsere Freunde.“ |
💡 Erkennungsregel:
Trennbare Präfixe sind meist betont (z. B. aufstehen), untrennbare unbetont (z. B. verstehen).
Reflexive Verben
Reflexive Verben benötigen ein Reflexivpronomen (mich, dich, sich, uns, euch), das sich auf das Subjekt bezieht.
| Infinitiv | Beispiel |
|---|---|
| sich freuen | „Ich freue mich auf den Urlaub.“ |
| sich waschen | „Du wäschst dich morgens.“ |
| sich erinnern | „Sie erinnern sich gern.“ |
💡 Besonderheit:
Im Perfekt bilden reflexive Verben die Zeitform immer mit „haben“, nicht mit „sein“.
4. Praktische Hilfsmittel und Mehrwert beim Konjugieren
Der Superlativ kann im Satz auf verschiedene Weise verwendet werden – attributiv, adverbial oder prädikativ. Welche Form Sie verwenden, hängt davon ab, welches Wort gesteigert wird und wo das Adjektiv im Satz steht.
Attributiver Gebrauch
Beim attributiven Gebrauch steht das gesteigerte Adjektiv direkt vor einem Nomen und beschreibt es näher. In dieser Position wird es dekliniert, d. h. an Kasus (Fall), Genus (Geschlecht) und Numerus (Zahl) des Nomens angepasst.
Bildung: bestimmter Artikel + Adjektiv im Superlativ (+ passende Endung) + Nomen
Zum Beispiel:
→ „Das ist der schönste Tag meines Lebens.“
→ „Wir besuchen die älteste Stadt Deutschlands.“
→ „Sie hat das größte Talent in ihrer Klasse.“
Deklination des attributiven Superlativs
| Kasus | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der schönste | die schönste | das schönste | die schönsten |
| Genitiv | des schönsten | der schönsten | des schönsten | der schönsten |
| Dativ | dem schönsten | der schönsten | dem schönsten | den schönsten |
| Akkusativ | den schönsten | die schönste | das schönste | die schönsten |
💡 Tipp:
Achten Sie darauf, dass der Superlativ in dieser Form kleingeschrieben wird, da er ein Adjektiv vor einem Nomen ist.
Adverbialer Gebrauch
Steht der Superlativ nicht vor einem Nomen, sondern beschreibt ein Verb oder ein anderes Adjektiv, spricht man von adverbialem Gebrauch. Hier wird der Superlativ mit „am“ + Adjektiv + -sten gebildet und kleingeschrieben.
→ „Sie läuft am schnellsten.
→ „Er arbeitet am gründlichsten.
→ „Von allen singt Maria am schönsten.
💡 Merkkasten:
Adverbiale Superlative stehen immer mit „am“ und werden nicht dekliniert.
Prädikativer Gebrauch
Beim prädikativen Gebrauch steht der Superlativ nach einem Verb wie sein, werden, bleiben und bezieht sich auf das Subjekt des Satzes.
→ „Dieses Auto ist am teuersten.“
→ „Der Winter bleibt der kälteste seit Jahren.“
→ „Das Kleid ist das schönste im Schaufenster.“
Regelhinweis:
Es gibt zwei Möglichkeiten:
- Mit „am“ + -sten → wird kleingeschrieben (Er ist am klügsten.)
- Mit bestimmtem Artikel + -ste → wird großgeschrieben, wenn das Adjektiv substantiviert wird (Er ist der Klügste.)
| Form | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|
| prädikativ | „Er ist am klügsten.“ | „Er ist klüger als alle anderen.“ |
| nominalisiert | „Er ist der Klügste.“ | „Er ist die Person mit der größten Klugheit.“ |
Superlativ als Nomen (Nominalisierung)
Der Superlativ kann substantiviert werden, wenn er mit Artikel steht. In diesem Fall wird er großgeschrieben und wie ein Nomen verwendet.
→ „Nur das Beste ist gut genug.“
→ „Sie wählte den Schnellsten zum Teamleiter.“
→ „Das Schönste am Urlaub war der Strand.“
💡 Hinweis:
Die nominalisierte Form wird oft benutzt, um allgemeine Aussagen oder Abstraktes auszudrücken.
5. Häufige Lernfehler und wie man sie vermeidet
Viele Lernende verwechseln starke und schwache Verben oder vergessen die Endungen bei der Konjugation. Hier sind einige typische Stolpersteine – und Tipps, sie zu vermeiden:
| Fehlerquelle | Beispiel | Korrektur |
|---|---|---|
| Falscher Stammvokal | „Ich sprech gestern.“ | „Ich sprach gestern.“ |
| Falsche Endung | „Du lern schnell.“ | „Du lernst schnell.“ |
| Falsches Hilfsverb | „Ich bin gearbeitet.“ | „Ich habe gearbeitet.“ |
| Verwechslung bei Modalverben | „Ich kann singe.“ | „Ich kann singen.“ |
6. Übungen zur Konjugation mit Lösungen
Übung 1
Setzen Sie das Verb in der richtigen Form ein (Präsens).
- Ich ___ (arbeiten) im Büro.
- Du ___ (lernen) schnell.
- Er ___ (lesen) ein Buch.
- Wir ___ (spielen) gern Fußball.
- Ihr ___ (kommen) pünktlich.
Übung 2
Wählen Sie die richtige Zeitform und bilden Sie den Satz korrekt (Präteritum).
- Gestern ___ (sehen) ich einen Film.
- Letzte Woche ___ (fahren) wir nach Berlin.
- Ich ___ (lernen) Deutsch, bevor ich nach Deutschland zog.
Übung 3
Ergänzen Sie das passende Modalverb.
- Ich ___ heute lange arbeiten. Ich habe keine Wahl.
- Wir ___ Deutsch sprechen. Das haben wir gemeinsam geübt!
- Du ___ das nicht tun! Das ist verboten.
Lösungen
Zu Übung 1:
- arbeite
- lernst
- liest
- spielen
- kommt
Zu Übung 2:
- Gestern habe ich einen Film gesehen. / Gestern sah ich einen Film.
- Letzte Woche sind wir nach Berlin gefahren. / Letzte Woche fuhren wir nach Berlin.
- Ich hatte Deutsch gelernt, bevor ich nach Deutschland zog. / Ich lernte Deutsch, bevor ich nach Deutschland zog.
Zu Übung 3:
- muss
- können
- darfst
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