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Indikativ

Der Indikativ: Definition, Verwendung und Beispiele

Wenn Sie im Deutschen über reale, tatsächliche oder allgemein gültige Dinge sprechen, verwenden Sie den Indikativ. Er ist die sogenannte Wirklichkeitsform eines Verbs – also der Modus, den Sie ganz automatisch im Alltag benutzen.

Konditionalsatz: Bildung, Beispiel, Übungen

→ „Der Himmel ist blau.“
→ „Ich trinke jeden Morgen Kaffee.“
→ „Europa ist ein Kontinent.“

Der Indikativ ist die häufigste Aussageweise in der deutschen Grammatik und wird in allen Zeitformen (z. B. Präsens, Perfekt, Präteritum, Futur) verwendet. In diesem Beitrag erfahren Sie, was der Indikativ ist, wann Sie ihn benutzen und wie er sich vom Konjunktiv und Imperativ unterscheidet.

 

💡 Merke:

Der Indikativ ist die „Normalform“ der deutschen Verben – Sie verwenden ihn, wenn Sie etwas als wirklich, sicher oder faktisch ausdrücken.

1. Was ist der Indikativ?

Der Indikativ (lateinisch indicativus = „anzeigend“) ist einer der drei Verbmodi im Deutschen – neben Konjunktiv und Imperativ. Er wird verwendet, um Tatsachen, reale Handlungen oder allgemein gültige Sachverhalte auszudrücken. Deshalb nennt man ihn auch die Wirklichkeitsform oder den Normalmodus des Verbs.

→ „Der Bus kommt um acht Uhr.“ → eine reale Tatsache
→ „Wenn ich lerne, bekomme ich eine gute Note.“ → eine mögliche, aber realistische Bedingung
→ „Katzen schlafen viel.“ → eine allgemeingültige Aussage

Der Indikativ zeigt also, dass ein Sprecher etwas als wirklich oder gegeben betrachtet – im Gegensatz zum Konjunktiv, der Wünsche oder Irrealität ausdrückt, und zum Imperativ, der Befehle oder Aufforderungen signalisiert.

 

💡 Wichtig:

Der Indikativ ist der Standardmodus in der deutschen Sprache. Er wird immer dann verwendet, wenn keine besonderen Bedingungen wie Wunsch, Befehl oder Unsicherheit bestehen.

2. Bildung des Indikativs mit Beispiel

Der Indikativ kann in allen sechs deutschen Zeitformen (Tempora) gebildet werden. Dabei verändert sich die Verbform, um auszudrücken, wann eine Handlung stattfindet – in der Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft.

Übersicht: Zeitformen des Indikativs

Zeitform (Tempus) Beispiel mit „machen“ Verwendung / Bedeutung
Präsens (Gegenwart) „Ich mache meine Hausaufgaben.“ Handlungen oder Zustände in der Gegenwart, allgemeine Aussagen
Präteritum (einfache Vergangenheit) „Ich machte meine Hausaufgaben.“ Erzählen von Vergangenem (besonders in schriftlicher Sprache)
Perfekt (vollendete Gegenwart) „Ich habe meine Hausaufgaben gemacht.“ Vergangenes mit Bezug zur Gegenwart (häufig in gesprochener Sprache)
Plusquamperfekt (Vorvergangenheit) „Ich hatte meine Hausaufgaben gemacht.“ Handlung, die vor einer anderen vergangenen Handlung liegt
Futur I (Zukunft) „Ich werde meine Hausaufgaben machen.“ Absicht, Vermutung oder zukünftige Handlung
Futur II (vollendete Zukunft) „Ich werde meine Hausaufgaben gemacht haben.“ Handlung, die in der Zukunft bereits abgeschlossen sein wird

 

💡 Merke:

Der Indikativ deckt alle Zeiten ab – er beschreibt also Handlungen, die stattfinden, stattgefunden haben oder stattfinden werden. Die Bildung erfolgt je nach Zeitform durch Konjugation des Verbs (z. B. mache, machte, habe gemacht) und ggf. mit den Hilfsverben haben, sein oder werden.

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3. Verwendung des Indikativs

Der Indikativ ist der am häufigsten verwendete Verbmodus im Deutschen. Er wird gebraucht, wenn Sie reale, mögliche, ausgedachte oder allgemeingültige Sachverhalte ausdrücken möchten – also alles, was Sie als wirklich oder sicher ansehen.

Reale oder tatsächliche Sachverhalte

Der Indikativ zeigt, dass etwas tatsächlich passiert oder der Realität entspricht.

→ „Der Zug kommt um 7 Uhr.“
→ „Ich arbeite heute von zu Hause.“

Hier ist der Sprecher sicher, dass die Aussage stimmt.

Ausgedachte oder fiktive Sachverhalte

Der Indikativ kann auch in erfundenen Geschichten oder Fantasiesituationen vorkommen –selbst wenn diese in der Realität nicht existieren.

→ „Das Einhorn lebt im Zauberwald.“
→ „Drachen fliegen über die Berge.“

Obwohl diese Sätze nicht real sind, werden sie als Tatsachen innerhalb einer Erzählwelt dargestellt.

Mögliche oder bedingte Sachverhalte

Auch mögliche Handlungen oder Bedingungen, die als realistisch gelten, stehen im Indikativ.

→ „Wenn ich lerne, bekomme ich eine gute Note.“
→ „Wenn es regnet, bleibe ich zu Hause.“

Die Bedingung kann tatsächlich eintreten – daher Indikativ.

Allgemeingültige Sachverhalte

Für Regeln, Fakten oder Naturgesetze wird ebenfalls der Indikativ verwendet.

→ „Wasser kocht bei 100 Grad.“
→ „Die Erde dreht sich um die Sonne.“

Solche Aussagen sind zeitlos wahr und beschreiben allgemeine Tatsachen.

 

💡 Merke:

Der Indikativ steht nicht nur für Realität, sondern auch für das, was als real oder gegeben angenommen wird – selbst in erfundenen oder hypothetischen Zusammenhängen. Er ist deshalb die Standardform der Aussage in der deutschen Grammatik.

4. Indikativ im Aktiv und Passiv

Der Indikativ kann sowohl in der Aktivform (Tätigkeitsform) als auch in der Passivform (Leideform) verwendet werden. Beide zeigen reale oder angenommene Sachverhalte – der Unterschied liegt darin, wer handelt und wer betroffen ist.

Aktiv – Das Subjekt handelt selbst

Im Aktiv steht das Subjekt im Mittelpunkt: Es führt die Handlung aus.

→ „Peter backt einen Kuchen.“
→ „Die Kinder spielen Fußball.“

→ Das Aktiv beantwortet die Frage: „Wer tut etwas?“

Passiv – Das Subjekt erfährt die Handlung

Im Passiv steht nicht mehr die handelnde Person, sondern die Handlung selbst oder das Ergebnis im Vordergrund.

→ „Ein Kuchen wird von Peter gebacken.“
→ „Fußball wird von den Kindern gespielt.“

→ Das Passiv beantwortet die Frage: „Was geschieht?“ oder „Womit geschieht etwas?“

Übersicht: Indikativ im Aktiv und Passiv

 

Zeitform (Tempus) Aktiv Passiv
Präsens (Gegenwart) „Ich lese das Buch.“ „Das Buch wird gelesen.“
Präteritum (einfache Vergangenheit) „Ich las das Buch.“ „Das Buch wurde gelesen.“
Perfekt (vollendete Gegenwart) „Ich habe das Buch gelesen.“ „Das Buch ist gelesen worden.“
Plusquamperfekt (Vorvergangenheit) „Ich hatte das Buch gelesen.“ „Das Buch war gelesen worden.“
Futur I (Zukunft) „Ich werde das Buch lesen.“ „Das Buch wird gelesen werden.“
Futur II (vollendete Zukunft) „Ich werde das Buch gelesen haben.“ „Das Buch wird gelesen worden sein.“

 

💡 Merke:

  • Das Aktiv betont den Handelnden.
  • Das Passiv betont die Handlung oder das Ergebnis.
  • Beide stehen im Indikativ, wenn sie reale oder als real angenommene Ereignisse beschreiben.

5. Abgrenzung zum Konjunktiv und Imperativ

Der Indikativ drückt tatsächliche oder angenommene Realität aus. Um Missverständnisse zu vermeiden, ist es wichtig, ihn von den anderen Verbmodi zu unterscheiden: Konjunktiv und Imperativ.

Indikativ vs. Konjunktiv

Modus Verwendung Beispiel
Indikativ Wirklichkeitsform, reale Sachverhalte „Ich gehe nach Hause.“
Konjunktiv I Indirekte Rede „Er sagt, er gehe nach Hause.“
Konjunktiv II Irreale Wünsche, hypothetische Situationen „Ich ginge nach Hause, wenn ich Feierabend hätte.“

 

💡 Merke:

  • Der Indikativ berichtet, was wirklich ist oder als sicher angenommen wird.
  • Der Konjunktiv I wird vor allem in der indirekten Rede verwendet.
  • Der Konjunktiv II drückt Wünsche, Unwirkliches oder Hypothesen aus.

 

Indikativ vs. Imperativ

Modus Verwendung Beispiel
Indikativ Aussage, Realität „Du gehst nach Hause.“
Imperativ Aufforderung / Befehl „Geh nach Hause!“

 

💡 Merke:

  • Der Imperativ richtet sich direkt an eine Person und fordert zu einer Handlung auf.
  • Der Indikativ beschreibt einfach, was passiert oder passiert ist, ohne Aufforderung.

6. Indikativ in der indirekten Rede

Die indirekte Rede wird genutzt, um gesprochene Aussagen oder Meinungen anderer Personen wiederzugeben. Im Deutschen kann dafür sowohl der Indikativ als auch der Konjunktiv I verwendet werden – je nach Kontext und Stil.

Indikativ in der gesprochenen Sprache

In der Alltagssprache ist der Indikativ sehr häufig, besonders wenn der Sprecher kein Missverständnis befürchtet:

→ „Er sagt, er ist krank.“
→ „Sie meint, sie hat keine Zeit.“

 

💡 Tipp:

Der Indikativ wird in der gesprochenen Sprache oft verwendet, weil er einfach und verständlich ist.

Konjunktiv I in der Schriftsprache

In der schriftlichen Kommunikation, etwa in Zeitungen oder Berichten, wird meist der Konjunktiv I genutzt, um Indirektheit deutlich zu machen:

→ „Er sagt, er sei krank.“
→ „Sie erklärt, sie habe keine Zeit.“

💡 Tipp:

Wenn der Konjunktiv I gleich klingt wie der Indikativ, kann man zur Vermeidung von Missverständnissen auch den Indikativ oder Konjunktiv II verwenden.

💡 Merke:

  • Indikativ = Alltag, einfach, verständlich
  • Konjunktiv I = formell, korrekt in Schriftsprache
  • Konjunktiv II = nur für irreale Aussagen oder Wünsche

7. Häufige Fehler beim Indikativ

Auch erfahrene Deutschlernende machen typische Fehler beim Gebrauch des Indikativs. Hier sind die wichtigsten Stolperfallen und wie man sie vermeidet:

Indikativ vs. Konjunktiv

Viele verwechseln den Indikativ mit dem Konjunktiv, besonders in der indirekten Rede oder bei irrealen Wünschen:

✖ „Wenn ich Zeit hätte, gehe ich ins Kino.“
✔ „Wenn ich Zeit hätte, würde ich ins Kino gehen“. → Konjunktiv II richtig

✖ „Er sagt, er ist krank.“ (schriftlich unpräzise)
✔ „Er sagt, er sei krank.“ → Konjunktiv I korrekt

Zeitform-Fehler

Ein weiterer häufiger Fehler ist die falsche Zeitform im Indikativ:

✖ „Gestern gehe ich ins Kino.“
✔ „Gestern ging ich ins Kino.“ → Präteritum korrekt

✖ „Morgen habe ich Fußball gespielt.“
✔ „Morgen werde ich Fußball spielen.“ → Futur I korrekt

Aktiv-Passiv-Verwechslung

Manchmal wird das Passiv fälschlich verwendet oder umgekehrt:

✖ „Das Buch liest von mir.“
✔ „Das Buch wird von mir gelesen.“ → Passiv korrekt

✖ „Ich werde den Kuchen gegessen.
✔ „Ich esse den Kuchen“. → Aktiv korrekt

 

💡 Merke:

  • Im Aktiv handelt das Subjekt selbst.
  • Im Passiv erfährt das Subjekt die Handlung.

8. Übungen zum Indikativ mit Lösung

Übung 1:

Setzen Sie die Verben in Klammern in die richtige Zeitform des Indikativs.

  1. Gestern ___ (gehen) ich ins Kino.
  2. Jeden Morgen ___ (trinken) sie Kaffee.
  3. Vor einer Woche ___ (lesen) wir das Buch.
  4. Morgen ___ (besuchen) ich meine Freunde.
  5. Letztes Jahr ___ (reisen) ihr nach Spanien.

Übung 2:

Formulieren Sie die Sätze im Passiv, wenn sie im Aktiv stehen, und umgekehrt:

  1. Der Lehrer erklärt die Grammatik. → …
  2. Das Buch wird von Anna gelesen. → …
  3. Peter backt einen Kuchen. → …
  4. Die Hausaufgaben werden von den Schülern gemacht. → …

Übung 3:

Entscheiden Sie, ob Indikativ oder Konjunktiv korrekt ist, und setzen Sie die richtige Form ein:

  1. Er sagt, er ___ (sein) zu Unrecht abgewiesen worden.
  2. Wenn ich mehr Zeit hätte, ___ (gehen) ich ins Kino.
  3. Sie behauptet, sie ___ (haben) keine Hausaufgaben.
  4. Wir hoffen, dass ihr ___ (kommen) könnt.

 

Lösungen

Zu Übung 1:

  1. Gestern ging ich ins Kino.
  2. Jeden Morgen trinkt sie Kaffee.
  3. Vor einer Woche lasen wir das Buch.
  4. Morgen werde ich meine Freunde besuchen.
  5. Letztes Jahr reistet ihr nach Spanien.

Zu Übung 2:

  1. Der Lehrer erklärt die Grammatik. → Die Grammatik wird vom Lehrer erklärt.
  2. Das Buch wird von Anna gelesen. → Anna liest das Buch.
  3. Peter backt einen Kuchen. → Ein Kuchen wird von Peter gebacken.
  4. Die Hausaufgaben werden von den Schülern gemacht. → Die Schüler machen die Hausaufgaben.

Zu Übung 3:

  1. Er sagt, er ist krank. (Indikativ, gesprochen)
  2. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich ins Kino gehen. (Konjunktiv II)
  3. Sie behauptet, sie habe keine Hausaufgaben. (Konjunktiv I, schriftlich korrekt)
  4. Wir hoffen, dass ihr kommt. (Indikativ)

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