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Neologismus

Der Neologismus: Definition, Wirkung & moderne Beispiele

Ein Neologismus ist ein neues Wort oder eine neue Bedeutung für ein bestehendes Wort. Sprachlich betrachtet handelt es sich um einen Ausdruck, der zuvor nicht oder in dieser Form nicht existierte. Neologismen sind überall um uns herum: Sie entstehen in Literatur, Alltagssprache, Politik, Werbung und zunehmend auch im Internet und auf Social-Media-Plattformen.

In diesem Beitrag erfahren Sie nicht nur die klassische Definition, sondern auch, wie Neologismen gebildet werden, welche Funktionen sie erfüllen und welche modernen Beispiele besonders relevant sind – von Goethe über klassische Kofferwörter bis zu aktuellen Begriffen wie „Rizz“ oder „Cringe“.

Mann lernt am Laptop mit Kopfhörern die Unterschiede zwischen Bayerisch und Hochdeutsch und macht sich Notizen.

1. Was ist ein Neologismus?

Ein Neologismus kann grundsätzlich in zwei Typen unterschieden werden:

  1. Neuwort (Wortneuschöpfung): Ein völlig neues Wort, das vorher nicht existierte.
    • Beispiel: „Kodak“ (Markenname)
  2. Neubedeutung: Ein bestehendes Wort erhält eine neue Bedeutung.
    • Beispiel: „Virus“ → ursprünglich nur medizinisch, heute auch in der IT gebräuchlich

Unterschied zum Okkasionalismus

Oft werden Neologismen mit Okkasionalismen verwechselt. Während Neologismen das Potenzial haben, sich dauerhaft im Sprachgebrauch zu etablieren, sind Okkasionalismen spontane Wortschöpfungen, die meist nur einmal oder in einem sehr kleinen Kontext verwendet werden.

 

Merkmal Neologismus Okkasionalismus
Dauer langfristig kurzzeitig
Verbreitung weit verbreitet lokal oder Einzelfall
Ziel dauerhaft etablieren kreative, einmalige Wortschöpfung
Beispiel „Binge-Watching“ spontaner Witz in einem Chat

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2. Wie entstehen Neologismen? (Arten der Bildung)

Neologismen können auf verschiedene Arten entstehen. Sprachwissenschaftler unterscheiden mehrere typische Bildungsprozesse, die sowohl klassische als auch moderne Wörter erklären:

Wortkreuzung / Kontamination

Hierbei werden zwei Wörter kombiniert, sodass ein neues Wort entsteht.

Beispiele:

  • Smombie = Smartphone + Zombie
  • Kurlaub = Kurz + Urlaub

Zusammensetzungen / Komposita

Die klassische deutsche Methode, Wörter zu bilden, ist die Zusammensetzung von bereits existierenden Wörtern. Auch Ableitungen (Derivation) fallen darunter.

Beispiele:

  • Brunch = Breakfast + Lunch (Lehnwort aus dem Englischen)
  • Energiewende = Energie + Wende

Hinweis: Komposita sind besonders flexibel und werden oft im Alltag oder in der Politik genutzt.

Abkürzungen, Akronyme und Initialwörter

Abkürzungen können sich zu eigenständigen Wörtern entwickeln, die vollständig wie reguläre Wörter ausgesprochen werden.

Beispiele:

  • Azubi = Auszubildender
  • U-Boot = Unterseeboot
  • LKW = Lastkraftwagen

Anglizismen & Lehnübersetzungen

Viele Neologismen entstehen durch die Übernahme fremdsprachiger Begriffe oder deren Übersetzung ins Deutsche, wie Anglizismen.

Beispiele:

  • downloaden → Daten herunterladen
  • googeln → im Internet suchen

3. Beispiele für Neologismen – Von Goethe bis TikTok

Neologismen begleiten die deutsche Sprache schon lange. Sie finden sich in Literatur, Alltag, Technik und Jugendkultur. Dabei zeigt sich: Die Art der Neuschöpfung verändert sich mit der Zeit.

Literatur & Geschichte

Schon Goethe und andere Dichter nutzten kreative Wortbildungen, um Gedanken und Gefühle präzise auszudrücken.

  • Beispiel: Knabenmorgenblütenträume – ein sehr poetisches, zusammengesetztes Wort, typisch für Goethes Zeit.
  • Frühere literarische Neologismen:
    • Lenz (Frühling) – heute oft als archaisch wahrgenommen
    • Sturm und Drang: spontane Wortkreationen für intensive Emotionen

💡Merktipp:

Historische Neologismen waren oft lang und komplex, moderne Wörter tendieren zu Kürze und Prägnanz.

 

Technik & Alltag

Mit der Digitalisierung und dem gesellschaftlichen Wandel entstehen viele neue Wörter für neue Konzepte:

  • App – Anwendungssoftware
  • Blog – Web-Logbuch
  • Energiewende – politischer Begriff für Umstellung auf erneuerbare Energien
  • Ghosting – plötzliches Kontaktabbrechen

Jugendsprache & Internetkultur

Soziale Medien und Gaming beschleunigen die Entstehung und Verbreitung von Neologismen massiv:

  • Cringe – peinlich, unangenehm
  • Rizz – Charisma, Ausstrahlung (TikTok)
  • Sus – suspicious / verdächtig (Among Us)
  • Slay – glänzen, besonders erfolgreich sein

4. Warum benutzen wir Neologismen? (Funktion & Wirkung)

Neologismen erfüllen verschiedene sprachliche, soziale und psychologische Funktionen. Sie sind mehr als nur „neue Wörter“ – sie reflektieren gesellschaftliche Prozesse.

Lücken im Wortschatz füllen

Manchmal existiert für ein Konzept noch kein passendes Wort. Neue Begriffe erleichtern präzise Kommunikation.

  • Beispiel: Maus → ursprünglich Tier, jetzt Gerät zum Klicken am Computer

Aufmerksamkeit & Werbung

Markennamen oder Werbeslogans nutzen Neologismen, um einprägsam und unverwechselbar zu sein.

  • Beispiele: Brunch, Energiewende, Google

Politische Manipulation & Euphemismus

Neologismen können Realität neu einordnen oder beschönigen.

  • Beispiel: Entsorgungspark statt Müllhalde

Soziale & psychologische Funktion

  • Identitätsbildung: Jugendliche nutzen Neologismen, um sich von Erwachsenen abzugrenzen.
  • Gruppenzugehörigkeit: Bestimmte Wörter signalisieren, dass man Teil einer Community ist (Gaming, Memes).

5. Wann steht ein Wort im Duden?

Nicht jedes neue Wort wird automatisch anerkannt. Ein Neologismus muss einen bestimmten Prozess der Lexikalisierung durchlaufen, bevor er in Wörterbüchern wie dem Duden erscheint.

Phase Beschreibung Beispiel
Erfindung Spontane Wortschöpfung (Okkasionalismus) „Sus“ (Among Us, Chat)
Verbreitung Nutzung in Gruppen, Ad-hoc-Bildung „Rizz“ (TikTok)
Usus Allgemeine Bekanntheit, häufiger Gebrauch „Binge-Watching“
Lexikalisierung Aufnahme in Wörterbuch / Duden „Brunch“

 

Exkurs: Sprachkritik – Sprachwandel vs. Sprachverfall

  • Sprachwandel: Natürliches Anpassen der Sprache an gesellschaftliche und technische Entwicklungen.
  • Sprachverfall: Kritische Sichtweise, dass neue Wörter „schlechtere Sprache“ darstellen.

Experten sehen moderne Neologismen als normalen und wichtigen Teil des Sprachwandels, nicht als Verfall.

Häufige Fragen zu Neologismen (FAQ)

  • Sind Anglizismen immer Neologismen?

    Nein. Anglizismen können:

    • Einfach übernommen werden, ohne sich stark zu verändern (z. B. „Computer“)
    • Eindeutschung erfahren und dann als Neologismus gelten (z. B. „googeln“ = Internet-Suche)
  • Was ist das Gegenteil eines Neologismus?

    Archaismus: Ein veraltetes Wort oder eine veraltete Bedeutung.

    Beispiel: „Lenz“ (für Frühling) oder „Flausen im Kopf“ (altmodischer Ausdruck)

  • Wie erkennt man ein Neologismus?

    • Wird ein Wort regelmäßig verwendet, taucht es in Medien auf oder wir in Wörterbüchern aufgenommen → Neologismus.
    • Ein einmaliges, spontanes Wortspiel → Okkasionalismus.
  • Warum verschwinden manche Neologismen wieder?

    Manche Wörter erfüllen keine dauerhafte Funktion oder verlieren an Popularität.

    Beispiel: „Simsen“ (SMS schreiben) wurde durch Messaging-Apps weitgehend ersetzt.

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